2018 Ausstellung Denkmal Aktiv 1Eine neue Ausstellung bietet spannende Einblicke in die "Geschichte eines Dorfes".

Monatelang hatten die Schüler_innen aus den Jahrgängen 8 und 9 im Rahmen der Begabungsförderung zu selbstgewählten Themen Eidelstedts geforscht und ihre Erkenntnisse aufbereitet. Nun sind die Ergebnisse im Foyer des Gymnasiums Dörpsweg zu sehen.

Bei der Vernissage begrüßten die Schüler_innen und ihre Betreuerin, Anna von Seherr-Thoss, ihre Gäste, darunter Kooperationspartner und Unterstützer des von der Stiftung DenkmalAktiv geförderten Kooperationsprojekts: Dr. Ulf Dobers von der Klosterschule Hamburg, Wolfgang Wallach vom Heimatmuseum Eidelstedt sowie Ronald Gröll, Stiefenkel des in der Ausstellung portraitierten Widerstandskämpfers Heinrich Schröder.

Die Schüler_innen präsentierten eine Fülle interessanter lokalgeschichtlicher Zusammenhänge und Themenschwerpunkte:

2018 Ausstellung Denkmal Aktiv 2Bei ihren Vergleichen zum Dörpsweg heute und vor 70 Jahren stellte Bente (8c) wichtige Gebäude und Standorte des Dörpsweg anhand historischer Dokumenten und heutiger Ansichten gegenüber. Dabei beobachtete sie eine Fülle von Veränderungen, die kriegsbedingt erklärbar, vor allem aber dem Strukturwandel des Stadtteils geschuldet sind. So dienten die Gebäude am Dörspweg früher ganz überwiegend der Landwirtschaft, wohingegen die Straße heute Teil einer Wohngegend ist. 

2018 Ausstellung Denkmal Aktiv 3Im Zuge ihrer Recherchen zum Außenlager des KZ Neuengamme im damaligen Eidelstedt gestalteten Paula Blättermann (8c), Jonas Gscheidmeier und May-Lena Malecki (8a) neben einem informativen Plakat ein Modell des früheren, nahe dem Rangierbahnhof Eidelstedt gelegenen Lagers. Als Grundlagen dienten ihnen historische Bücher, Bilder und Zeitungsberichte, die sie unter anderem im Heimatmuseum Eidelstedts sichteten. Besonders beeindruckt zeigten sie sich von den Aufzeichnungen Heidi Frieds, die trotz dreifacher KZ-Erfahrung (KZ Auschwitz, Eidelstedter Außenlager des KZ Neugengamme, KZ Bergen-Belsen) die Kraft hatte, der Nachwelt von ihren Erfahrungen zu berichten. 

2018 Ausstellung Denkmal Aktiv 4In seinen Recherchen zur Fabrik Stoltzenberg befasste sich Piet Katzenstein (9b) mit den katastrophalen und skandalösen Auswirkungen, die Giftgas mitten in Eidelstedt hatte. So kam es 1928 zu einem verheerenden Gasaustritt aus einem Kesselwagen, bei dem mind. 10 Menschen starben – ein Vorfall, dessen Verfolgung jedoch durch die Reichswehr und später Wehrmacht blockiert wurde, war Hugo Stotzenberg doch an der militärischen Giftgasproduktion beteiligt. Tod und Verletzungen gingen auch 1979 vom Standort der ehemaligen Fabrik aus, als Kinder beim Spielen auf dem verlassenen Gelände Chemikalien und Granaten fanden. 

2018 Ausstellung Denkmal Aktiv 5Antonia Lübbers (8b) und Sophie Iraschko (8c) widmeten ihre Untersuchungen dem Leben von Heinrich Schröder –dem Widerstandskämpfer vom Hornackredder 2. Sie recherierten mit dem Ziel, einen derjenigen kennenzulernen, die mutig waren und ihr Leben aufs Spiel setzten. Dabei sichteten sie zahlreiche Dokumente, die ihnen z. B. Dr. Reimer Möller, Archivar im KZ Neuengamme, zur Verfügung stellte. Und sie traten – zunächst per Mail, bei der Ausstellunngseröffnung schließlich auch persönlich – in Kontakt  zu Schröderst Stiefenkel Ronald Gröll, der seinerseits 2016 begonnen hat, die Familiengeschichte aufzuarbeiten. Bis dahin, sagt er, habe "70 Jahre lang Schweigen in der Familie" geherrscht. Mittlerweile lebt der in Winsen an der Luhe unweit von Neuengamme aufgewachsene Gröll in Neustadt (Holstein), wo einst große Schiffe versanken, an Bord viele Menschen, darunter zahlreiche Häftlinge aus Neuengamme.

2018 Ausstellung Denkmal Aktiv 6Begüm Arslan (8a) schließlich erkundete die Entwicklung von der Diskriminierung in der Heimat zur Freiheit in der Fremde – Migration in Eidelstedt am Beispiel der Alevitischen Gemeinde. Zunächst hatte Begüm zahlreiche Interviews geführt. Bei der Auswertung stellte sie große Unterschiede fest. So nahmen einige der Befragten den Mangel an Unterstützung bei der Integration in den '90er Jahren wahr, andere fühlten sich von Anfang an willkommen, weil ihnen z.B. Wohnungsmöglichkeiten geboten wurden, wenn auch nur auf geringem Platz. Gemeinsam ist vielen Aussagen der Eindruck eines Missverständnisses: Während die deutschen Mitbürger überwiegend von der Rückkehr der türkischstämmigen Aleviten ausgegangen seien, seien die Betroffen selbst mit der Einstellung gekommen, hier zu bleiben - immerhin hatten sie ihre Lebensgrundlage in der Türkei verlassen. 

Die Ausstellung macht eine Fülle von historischen Bezügen deutlich, die die Alltagsumgebung der Schüler_innen bis heute prägen, und leistet einen interessanten Beitrag zu einer differenzierteren Wahrnehmung Eidelstedts. 

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