Der Abiturjahrgang verabschiedete sich herzlich – und mit einem erfreulichen Notendurchschnitt.
2018 Abi 01Begonnen hatten die Feierlichkeiten schon vor den Prüfungen mit einem vielversprechenden Abistreich: Blockaden im Hauptgebäude, in dem auch geübte Lehrkräfte noch in den Rasierschaum auf Türklinken fassten, hatten den Schulbetrieb zunächst ein wenig aufgehalten, wogegen niemand in den jüngeren Jahrgängen etwas einzuwenden hatte. 

Hochschulreif ging es bis zum Ende der Prüfungen weiter. Dabei lag der Jahrgang mit seinem Abiturdurchschnitt von 2,3 über dem Hamburger Schnitt von 2,4. Dazu gab es zweimal die Traumnote 1,0 und 20 Abiturienten der in diesem Jahr 68 konnten sich über eine 1 vor dem Komma freuen.

In seiner Abiturrede würdigte der Abteilungsleiter der Oberstufe, Fabian Hawighorst, die beeindruckende Zusammensetzung der ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten aus dem Jahrgang und die Vielfalt der Lebenswege, die viele der frisch gebackenen Abiturienten schon klar vor sich sähen. 
Denis Hundhausen, Tutor und Vertreter des Lehrkörpers, ließ das Festpublikum an launigen Tagebucheinträgen teilhaben, die den zunächst gelassenen Weg durch die Begleitung des Oberstufenjahrgangs nachzeichneten und schließlich in folgenden Poetry-Slam-Beitrag mündeten:


2018 Abi 013Der Weg und die Zeit 

Eure Seite ist weiß, weil noch keiner hier weiß, was schreiben heißt.
Das Meiste in der Schule schweißt zusammen, heißt Bangen, 
und während die Zeit jetzt abreißt, weiß keiner, was die Zukunft verheißt. 
Euer Weg war lang, bei manchen war er gerade, bei anderen gewunden,
Zeit heilt alle Wunden, Zeit wird’s zeigen, doch der Zeiger dreht seine Runden. 

Genau wie mein Hamster vom Anfang der Rede, der Hamster heißt „Metapher“,
weil er sich - mehr tapfer als klug - Stund um Stund in seinem Hamsterrad schindet
und dabei Meter um Meter überwindet, aber nie einen anderen Pfad findet.
Auch Schule ist ein Hamsterrad, dem wir alle dienen, immer die gleichen Routinen,
Wecker, Verschlafen, in der Ersten Bio, Pause, 
Religion, Mathe, Sport, zwischendurch Kantine.
Der Ausbruch aus dem Hamsterrad, er möge Euch nun gelungen sein,
doch manchmal ist so ein Ausgebrochensein auch nur eitler Schein 
und man tritt nur, ganz geheim und ganz allein, 
in ein neues Lauf-, Lauf-, Laufrad ein. 

2018 Abi 02Und so ein Hamsterrad, bevor man sich befreit, bietet es ja auch Sicherheit,
man ist von der Last der Entscheidungen befreit.
Im Rad da schritt man so, auf Schritt und Tritt, immer mit.
Doch die Zeit im Rad, sie schreitet wie ein Grenadier 
Und irgendwann vergeht die Zeit, und man vergeht mit ihr. 

Doch auch außerhalb des Rades gibt es nicht immer nur Freiheiten,
Außerhalb sind Unebenheiten, Unwägbarkeiten, bittere Wahrheiten, 
Gelegenheiten, die euch verleiten zu dunklen Seiten in dunkle Zeiten.
Aber auch das, was kein Hamsterrad jemals bieten konnt',
denn nur draußen, nur draußen, sieht man den Horizont. 

2018 Abi 03Und der Weg hin zum Horizont, der ist nicht immer nur eben,
aber auf diesem Weg kann's viele Gelegenheiten geben, 
und die Dinge, die sich auf dem Weg ergeben, 
die nennt man dann... „Leben“.
Und letztlich führt mehr als nur ein einziger Weg dahin, 
den richtigen für sich zu finden, das ist der eigentliche Sinn.  

Der eigne Kompass hilft Euch auf eurem Weg,
schubst beiseite, was euch im Weg rumsteht.
Stund' um Stund' macht ihr euch heute ein neues Morgen
eicht euren alten Kompass auf ein neues Norden.
Für manche von euch wird der Weg leichter, für andere schwerer
und wer gar keinen Plan hat... der wird halt einfach Lehrer. 

2018 Abi 04Oder Anwalt oder Steuerberater, Rennfahrerin oder Burgerbrater,
Bräutigam oder Braut, Rockstar oder Astronaut,
Bürohengst oder Afrikaerkunder, Krankenpfleger oder Weltumrunder,
Sahara, Antarkis oder Tropen, Hauptsache „Into the Great Wide Open“. 

Egal ob kleiner Fisch oder hohes Tier
macht es einfach wie Buzz Lightyear: 
„Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter!“
Rauf auf die Couch oder rauf auf der Karriereleiter,
egal ob gehen oder bleiben, egal ob schwimmen oder treiben,
egal ob in Hamburg, Peking oder in Remscheid
wer nicht schwimmt, der treibt, 
und manchmal treibt man es auch zu weit,
aber gegen euch spielen nur ein paar Gesetze und die Zeit.
In 14 Jahren dann dran denken, wie alles anfing
„Oh captain, my captain“ ruft von irgendwoher John Keating. 

2018 Abi 05Heute werdet ihr das letzte Mal alle zusammensitzen,
das letzte Mal lauscht ihr meinen doofen Witzen,
ab morgen geht’s raus in jede Himmelsrichtung,
wild auseinander wie das Metrum dieser Dichtung. 

Also, anders als Rilkes Panther: tauscht Gitter gegen unendliche Weiten,
die Käfigtür für euch ist weit offen, ihr müsst sie nur noch durchschreiten.
Ich wünsche euch, dass ihr euren eigenen Weg immer fortsetzt 
das Leben beginnt ab jetzt, es hetzt, es fetzt, es verletzt,
aber manchmal kann es auch heilen: im Augenblick verweilen, 
nicht immer zwischen den Zeilen eilen, als wären es Marathonmeilen,
an der Zukunft feilen, Liebe miteinander teilen, 
um gemeinsam die Gitterstäbe des Käfigs zu durchfeilen 
sich vom Abiball abseilen, um dem Leben entgegen zu eilen.
2018 Abi 07Denn nicht immer wartet das Leben länger.
Die Hauptsache ist: Don't look back in anger. 

Und zum Schluss muss dieses kleine Abschiedswort noch sein,
es stammt aus Kölle, der schönsten Stadt am Rhein,
es soll euch immer ein Norden für euren Kompass sein.
Und weil ich nicht weiß, was ich sonst noch sagen soll,
sag ich nur: „Macht et jot – aber nicht zu doll“.


2018 Abi 06

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